Kult und Kapital

Die Sammlungspolitik des Nietzsche-Archivs

Gegenstände der Fallstudie sind der dingliche Nachlass des Weimarer Nietzsche-Archivs und die Entwicklung der Nietzsche-Ikonographie bis 1945. Sie nimmt in den Blick, was die bereits etablierten (Drittmittel-)Projekte zu Nietzsches Bibliothek und zu seinem schriftlichen Nachlass nicht berücksichtigen: Bildende Kunst und materielle Kultur sowie die Geschichte der institutionalisierten Nietzsche-Pflege in Weimar. 

Angesichts der reichen, untereinander vernetzten Nietzsche-Bestände der Klassik Stiftung Weimar in den Direktionen Goethe- und Schiller-Archiv, Museen, Herzogin Anna Amalia Bibliothek sowie Schlösser, Bauten, Gärten (zur Baugeschichte des Archivs) behandelt die Studie zunächst zwei Kernthemen: 

  1. das Bild des Philosophen in Fotografie und Kunst bis 1903 (später fortzusetzen)
  2. die historischen Wohn- und Sammlungsräume im 1. Obergeschoss des Nietzsche-Archivs. 

Die Frühphase der künstlerischen Stilisierung des Philosophen ist für das Verständnis der von Elisabeth Förster-Nietzsche-Archivs mit den von Henry van de Velde gestalteten Bereichen im Erdgeschoss und Max Klingers monumentaler Nietzsche-Herme. Die in den 1970er-Jahren radikal umgebauten Räume im 1. Obergeschoss spiegeln keineswegs nur Förster-Nietzsches Geschmack wider: Vielmehr bargen sie einen hohen Anteil authentischer Erinnerungsstücke und bedeutende Kunstwerke. Als Teil einer ‚Personengedenkstätte’ standen diese Räume bis 1945 gleichrangig neben den Wohnräumen (und Sterbezimmern) Goethes und Schillers. Sie sind auch für die Forschungsgruppe Raum ein wichtiger Gegenstand. 

Die hohe Dichte der Weimarer Nietzsche-Bestände und ihre Verteilung auf drei bzw. vier Direktionen mit jeweils eigenen Katalogen und Findmitteln prädestiniert die Fallstudie als Modell für die Entwicklung eines Sammlungerschließenden Kataloges (SEK). Die Präsentation der Sammlungsstücke muss gleichermaßen synchron (‚was sachlich zusammengehört’) wie diachron (‚was gemeinsam überliefert wurde’) erfolgen. Neben technischen Herausforderungen liegt die genuine Forschungsleistung auf der Ebene der vertieften Bestandserschließung, die die maßgeblichen Relationen in den bevorstehenden Datenbanken noch gar nicht enthalten sind. Analog können auch Normdaten für Werke, Sammlungen und Provenienzen nur auf der Basis entsprechender Grundlagenforschung angelegt werden. 

Ein strategisches Anliegen auf dem Weg zum SEK ist die Präsentation der bisher schlecht zugänglichen Bildquellen zu Nietzsche in einem eigenen Portal mit dem Namen NietzschePics. Wo sich den Fotografien und Kunstwerken Textquellen zuordnen lassen, verweist NietzschePics auf die entsprechenden Stellen bei Nietzsche-Source und in der Archivdatenbank. Für den Bestand bis 1903 liegt eine vernetzte Erschließung bereits vor. Im Virtuellen Forschungsraum und in Kooperation mit dem Urban Complexity Lab der FH Potsdam entstehen im Rahmen der Fallstudie innovative, bildgetriebene Benutzeroberflächen.

Mitrbeiterinnen & Mitarbeiter